Erfolgswege

Das Bewachungsgewerbe zeichnet sich durch ein breites Spektrum an Einstiegs-, Weiterbildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten aus.

Entscheide selbst, welchen Level du erreichen willst!

Der nachfolgende Text verschafft Dir einen Überblick, welche Qualifikationen in der privaten Sicherheit erlangt werden können und welche beruflichen Perspektiven sich dadurch ergeben.

 

Unterrichtungsverfahren (Level 1)

Das Unterrichtungsverfahren gem. § 34a Gewerbeordnung (GewO) ist die niedrigste Zulassungsvoraussetzung, um in der privaten Sicherheit zu arbeiten.

Die Unterrichtungszeit beträgt insgesamt 40 Stunden. Das zu vermittelnde Wissen wird in der Regel in Unterrichtseinheiten à 45 Minuten weitergegeben. Die Industrie- und Handelskammern belassen es bei einer Wissensvermitlung. Eine anschließende Prüfung der vermittelten Inhalte entfällt, es wird jedeglich ein Wissenstest durchgeführt. Im Unterrichtungsverfahren wird Gewerbe- und Datenschutzrecht, Privatrecht sowie Straf- und Verfahrensrecht in Grundzügen vermittelt. Darüber hinausgehend werden die wichtigsten Unfallverhütungsvorschriften besprochen, wie u.a. die DGUV Vorschrift 23. Neben diesem theoretischem Teil, werden auch praktische Kenntnisse erworben, z.B. Grundzüge der Sicherheitstechnik. Ebenso umfasst das Unterrichtungsverfahren Einheiten zum Verhalten in Gefahrensituationen und dem Umgang mit Menschen allgemein. Schließlich werden neben Deeskalationstechniken auch interkulturelle Kompetenzen vermittelt. Letzteres ist hinsichtlich der hohen Nachfrage bei der Bewachung von Flüchtlingsunterkünften von steigender Bedeutung.

Das Verfahren kostet etwa 350 bis 450 € und berechtigt nach § 34a GewO zur gewerbsmäßigen Bewachung von fremden Leben oder Eigentum. Absolventen werden in der Regel im Veranstaltungsschutz und im Revier- oder Objektdienst eingesetzt.

 

Sachkundeprüfung (Level 2)

Ein Plus an beruflichen Möglichkeiten eröffnet die Sachkundeprüfung nach § 34a GewO. In einem meist vierzehntätigen Vorbereitungskursus werden die oben genannten Tätigkeitsfelder behandelt.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei in Strategien zur Deeskalation. Neben der bloßen Anwesenheit ist ist hier auch das Bestehen einer IHK-Prüfung erforderlich. Folgende Tätigkeiten dürfen von Sicherheitsmitarbeitern anschließend zusätzlich noch ausgeführt werden:

  1. Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum oder in Hausrechtsbereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr (Citystreifen)

  2. Schutz vor Ladendieben (Ladendetektiv)

  3. Bewachungen im Einlassbereich von gastgewerblichen Diskotheken (Türsteher)

  4. Personen, die in leitender Funktion bei der Bewachung von Flüchtlingsunterkünften eingesetzt werden

  5. Personen, die in leitender Funktion zugangsgeschützte Großveranstaltungen bewachen

Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass die Sachkundeprüfung oder die Unterrichtung nach § 34a GewO innerhalb kürzester Zeit einen Einstieg in die Branche ermöglichen. Zugleich ist dies mit Abstrichen bei den Ausübungsmöglichkeiten verbunden.

 

Zusatzqualifikation: behördlich anerkannte Waffensachkundeprüfung gem. § 7 WaffG (Level 3)

In einem meist fünf bis zehntägigen Vorbereitungskurs lernst du alles über Waffenrecht, -ballistik, -technik und -handhabung. 

Nach erfolgreicher Prüfung kannst du dann im Geld- und Werttransport, in Botschaften und militärischen Liegenschaften (Kasernen) arbeiten.

 

Berufsausbildung (Level 4)

Wenn Du darüber nachdenkst, schnell Einsatzleiter im Bewachungsgewerbe zu werden und dadurch auch mehr zu verdienen, ermöglichen sich weitreichende Ausbildungsmöglichkeiten anhand einer zweijährigen Ausbildung zur Servicekraft oder Fachkraft für Schutz und Sicherheit (FKSS) mit einer Ausbildungszeit von drei Jahren. 

Die Servicekraft für Schutz und Sicherheit (SKSS) führt operative Maßnahmen durch. Dies meint einerseits die Beurteilung einer Sache hinsichtlich des Gefährdungspotentials und andererseits das Einleiten von Abwehrmaßnahmen. Um Rechtsverstöße erkennen zu können, werden in der Ausbildung Grundkenntnisse vom Arbeitsschutzgesetz, der Bewachungs- und Gewerbeverordnungen, dem Strafgesetzbuch sowie technische und organisatorischen Richtlinien vermittelt. Für den Ausbildungsberuf ist ein enormer praktischer Bezug prägend. Während der zwei Ausbildungsjahre begleitest Du erfahrene Mitarbeiter im Schichtdienst, erlernst Selbstverteidigung und den Umgang mit Dienstwaffen. Arbeitsplatz sind öffentlich zugängliche Orte wie Flughäfen, Bahnhöfe und Innenstädte. Neben der Bewachung von Gebäuden beteiligt die SKSS sich an Geld- und Werttransporten. Erwartet werden von Dir neben körperlicher Fitness und der Fähigkeit auch Nachts zu arbeiten, vor allem Verantwortungs- und Selbstbewusstsein.

Die Ausbildung zur SKSS kann um ein drittes Jahr verlängert werden. Dann bist du Fachkraft für Schutz und Sicherheit (FKSS) und beteiligst dich an organisatorischen Abläufen. Du erlernst das Gefährdungspotential einzuschätzen, um auf Basis dessen zu entscheiden, wie der Schutz von Objekten und Anlagen umzusetzen ist. In der Ausbildung werden Umgang und Installation von Videokamera, Bewegungsmeldern, Wärmebildkameras unter anderem vermittelt. Die Fachkraft arbeitet in Schichten, führt Streifgänge durch oder überwacht großflächige Areale auf Monitoren. Daher wird die Fähigkeit, im Team zu arbeiten, und eine technische Affinität vorausgesetzt. Nachtarbeit sollte nicht gescheut werden. Bei Gefahr ist es deine Aufgabe, den Tatort bis zum Eintreffen der Polizei zu sichern.

Die FKSS hilft außerdem beim Erstellen von Sicherheitskonzepten. Du kontrollierst, ob Schutzgesetze auf Großveranstaltungen ordnungsgemäß umgesetzt wurden. Zum Beispiel die Anzahl und bauliche Ausführung von Fluchtwegen. Im Gegensatz zur SKSS erhält man ein durch Tarife geregeltes Gehalt. Berufschancen können durch Weiterbildungen vergrößert werden. Durch ein Fahrsicherheitstraining, der Verbesserung von Nahkampftechniken oder einem Waffenschein, ist eine Anstellung als Personenschützer denkbar.

 

Für Seiteneinsteiger

Für Seiteneinsteiger lohnt sich die Fortbildungsprüfung zur Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft (GSSK).

Die Fortbildung umfasst nach dem Rahmenplan eine Dauer von 210 Stunden. Die Prüfung lohnt sich für Personen, die länger in der Sicherheitsbranche arbeiten, ohne eine Ausbildung vorher absolviert zu haben. Du kannst dich zur Prüfung anmelden, wenn du eine beliebige Ausbildung  erfolgreich abgeschlossen hast und mindestens zwei Jahre lang Praxiserfahrung in der  Sicherheitsbranche hast oder eine fünfjährige Berufspraxis und davon min. drei Jahre in der Branche vorweisen kannst. Ebenso kann die Prüfung von der FKSS absolviert werden. Hierbei handelt es sich um eine Zusatzqualifikation und ermöglichen dir Zugang zu höheren Tariflöhnen.

Die Prüfung besteht aus insgesamt drei Teilen, welche sich aus zwei schriftlichen und einer mündlichen Prüfung zusammensetzen. Der erste Teil umfasst „Rechts- und aufgabenbezogenes Handeln“ und der zweite „Gefahrenabwehr und Einsatz von Schutz- und Sicherheitstechnik“. In der Prüfung selbst wird „Sicherheits- und serviceorientiertes Verhalten und Handeln“ abgefragt. Die Kurse zur Prüfungsvorbereitungen kosten ca. 1.000€. Zudem ist eine Anmeldegebühr in Höhe von etwa 300€ fällig.

 

Fortbildung (Level 5)

Strebst Du eine Führungsposition in der Sicherheit an, empfiehlt sich nach vorangegangener Ausbildung eine Fortbildung zum Meister für Schutz und Sicherheit (Master).

Dann bist du für die Planung und Ausführung von Sicherheitskonzepten verantwortlich. Der Meister für Schutz und Sicherheit ist übrigens selbst dazu berechtigt, Personen auszubilden. Er wird mit der Leitung eines Betriebs vertraut gemacht und in der Kostenrechnung und Einarbeitung von Mitarbeitern tätig. Für die Fortbildung ist eine Zeit von zwei Jahren vorhergesehen. In diesem Zeitraum erhält du keinen Lohn. Um die Fortbildung finanzieren zu können kannst Du ein Meister-Bafög beantragen.

Die Zulassungsvoraussetzungen lauten:

  • entweder eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zur FKSS oder

  • eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung aus einem sonstigen Ausbildungsberuf sowie eine zweijährige Praxiserfahrung im Bereich der Sicherheit oder

  • eine fünfjährige Berufserfahrung und davon mindestens drei Jahre in der Sicherheit oder

  • eine erfolgreich ablegte Prüfung zur „Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft“ beziehungsweise „Geprüfte Werkschutzkraft“.

Häufig spezialisiert sich der Meister für Schutz und Sicherheit noch auf einen bestimmten Tätigkeitsbereich. Er nimmt beispielsweise an Lehrgängen zum Brandschutz teil, um ein Unternehmen in unabhängiger Tätigkeit als Brandschutzbeauftragter zu beraten. Eine andere Möglichkeit ist eine Schwerpunktsetzung im privaten Ermittlungsdienst oder dem Verfahren von Zutrittskontrollen.

 

Neue Perspektiven: Studienangebote in der Sicherheit (Level 6)

Momentan gibt es 18 verschiedene Bachelor-Studiengänge in der Sicherheit. Studienplätze werden unter anderem an Universitäten in Berlin, Hamburg, Bremen, Ingolstadt und Dresden angeboten. Ebenso gibt es kostenpflichtige Fernuniversitäten. Wer ein Fernstudium absolviert, hört von Zuhause aus Vorträge über das Internet und reicht in regelmäßigen Abständen Hausarbeiten ein. Allgemein liegt der Fokus im Bereich präventiver Sicherheit. Dazu gehören vor allem das Erkennen und Beurteilen unternehmerischer Sicherheitsrisiken anhand von Risikoanalysen. Die einzelnen Hochschulen spezialisieren sich auf verschiedene Bereiche wie Umweltrisiken, medizinische Risiken, Informationssicherheit, Kriminologie oder Gefahrenabwehr. Ein Bachelor-Studiengang umfasst sechs Semester in Regelstudienzeit, wobei häufig ein siebtes durch Praktika hinzuzurechnen ist. Der Abschluss eröffnet berufliche Perspektiven als Sicherheitsberater für Privatunternehmer, Sachverständiger oder in einer Polizeibehörde tätig zu werden. Ebenfalls steht die Möglichkeit offen, in einem auf dem Bachelor aufbauenden Master-Studiengang zu vertiefen, um Expertenwissen in einem ganz bestimmten Gebiet zu erlangen.

 

 

 

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